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Geschichte und Aufbau der Fakultät

Die Juristische (heute: Rechtswissenschaftliche) Fakultät gehörte zum Grundbestand der 1457 gegründeten Universität. Mit Ulrich Zasius (1461-1535), der für Freiburg das "Neue Stadtrecht " von 1520 verfasst hat, erlebte sie am Anfang des 16. Jahrhunderts im Zeichen des Humanismus alsbald eine Hochblüte.

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Portal des Kollegiengebäudes I.

Danach allerdings blieb sie als Lehr- und Forschungsstätte für die vorderösterreichischen Lande mehr als zwei Jahrhunderte lang recht provinziell.
Ansätze für eine Belebung gab es nach der theresianischen Universitätsreform von 1767. Aber erst nach dem Übergang an Baden im Jahre 1805 gewann sie zunehmend an Reputation, obwohl sie noch lange im Schatten Heidelbergs blieb. Das "Staatslexikon" der "politischen Professoren" Karl von Rotteck (1775-1840) und Karl Theodor Welcker (1790-1869) wurde im Vormärz zum Katechismus der liberalen Verfassungsbewegung. Franz Joseph von Bur (1803-1878), früh an sozialen Problemen interessiert, wurde zu einem der Häupter des politischen Katholizismus.

Später verstärkte sich die Anziehungskraft der Fakultät durch Gelehrte wie Karl von Amira (1848-1930), Fridolin Eisele (1837-1920), Otto Lenel (1849-1935), Heinrich Rosin (1855-1927), Richard Schmidt (1862-1944), Ulrich Stutz (1868-1938) und Hermann Kantorowicz (1877-1940), die längere Zeit in Freiburg gewirkt haben. 1896 wurde die Fakultät unter bestimmender Mitwirkung von Max Weber (1864-1920) durch Hereinnahme der nationalökonomischen Lehrstühle zu einer Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät umgebildet.

War sie 1933/34 zunächst in heftige Turbulenzen gestürzt und hatte sie im Zuge der "politischen Säuberung" ihre beiden Romanisten Fritz Pringsheim (1882-1967) und Andreas Bertalan Schwarz (1886-1953) verloren, so hat sich in ihr durch das Zusammenwirken von Walter Eucken (1891-1950), Hans Großmann-Doerth (1894-1944) und Franz Böhm (1895-1977) eine Lehr- und Forschungsgemeinschaft von Nationalökonomen und Juristen entwickelt, die den Grund gelegt hat für die als "Freiburger Schule" bekannte und nach 1945 beim Aufbau einer Marktwirtschaft wirksam gewordene Konzeption des Ordo-Liberalismus. Andere Mitglieder der Fakultät wie Erik Wolf (1902-1977) und Constantin von Dietze (1891-1973) haben sich im Kampf der "Bekennenden Kirche" engagiert und sich - ebenso wie Eucken und Böhm - an der Ausarbeitung der Freiburger Denkschrift des sogenannten Bonhoeffer-Kreises beteiligt, einem bedeutenden Dokument des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus.

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Das Kollegiengebäude II beherbergt das Juristische Seminar, die Mehrzahl der Institute der Fakultät sowie einige Hörsäle.

Nach einer schwierigen Phase des Wiederaufbaus und der Konsolidierung - maßgebende Schlüsselfiguren waren Fritz Pringsheim, der alsbald aus der Emigration zurückkehrte, Gustav Boehmer (1881-1969), Adolf Schönke (1908-1953) und Ernst von Caemmerer (1908-1985) - setzte Mitte der 50er Jahre bei zunehmenden Studentenzahlen mit der Schaffung neuer Lehrstühle ein kräftiger Ausbau der Fakultät ein. 1969 wurde im Zuge der organisatorischen Umgestaltung der Universität die bewährte Gemeinschaft mit den Nationalökonomen aufgelöst.

Eine institutionelle Gliederung der Fakultät ergibt sich aus der Existenz von Instituten und Seminaren. Als bibliothekarische Einrichtungen sind sie seit 1975 zusammengefasst in der (Zentral-) Bibliothek für Rechtswissenschaft, die aus dem 1889 gegründeten Juristischen Seminar hervorgegangen ist.

Das älteste Spezialinstitut ist das 1929 von Pringsheim und von Claudius Frhr. von Schwerin (1880-1944) gegründete Institut für Rechtsgeschichte und geschichtliche Rechtsvergleichung mit einer romanistischen und einer germanistischen Abteilung sowie einer später unter Hans Julius Wolff (1902-1983) gebildeten Arbeitsstelle für griechisches Recht.

Dem Bereich des Bürgerlichen Rechts sind zugeordnet das Institut für ausländisches und internationales Privatrecht sowie das Institut für deutsches und ausländisches Zivilprozessrecht, ferner das Institut für Wirtschaftsrecht, Arbeits- und Sozialversicherungsrecht.

Das Strafrecht ist mit dem Institut für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht vertreten, dessen Ursprünge auf das von Erik Wolf schon 1930 geschaffene Seminar für Strafvollzugskunde zurückgehen. Aus der Fakultät hervorgegangen und eng mit ihr verbunden ist aber auch das Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht.

Das Institut für öffentliches Recht umfasst zwei Abteilungen für Staatsrecht und je eine für Völkerrecht, Verwaltungsrecht und Verwaltungswissenschaft. Schließlich gehört das Seminar für Rechtsphilosophie und Kirchenrecht in den Kreis der Spezialinstitute. Deren Bibliotheksbestände (und darüber hinaus diejenigen der Lehrstühle, die nicht mit einem Institut verbunden sind) sind in einem Zentralkatalog der Bibliothek für Rechtswissenschaft erfasst. Der Gesamtbestand an Büchern beläuft sich derzeit auf rund 250.000 Bände.

Schon der Name einiger Institute lenkt auf einen offensichtlichen Schwerpunkt der Forschungsaktivitäten hin, nämlich die auf die Rechtsgeschichte wie auf das geltende Recht bezogene Rechtsvergleichung. Im übrigen aber hängen die Gegenstände der Forschung in starkem Maße von den Zielsetzungen und Präferenzen der einzelnen Professoren ab. Demgemäss bringen personelle Veränderungen in der Zusammensetzung der Fakultät auch Veränderungen des wissenschaftlichen Profils mit sich.


Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus dem Band "Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau" von Rudolf-Werner Dreier, Freiburg, 1. Auflage (1991).

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